Schirmherr

GRUSSWORT DES SCHIRMHERRN

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

„Eigentum verpflichtet“, wird das Grundgesetz häufig verkürzt zitiert, denn vollständig heißt es im Artikel 14: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Damit wird zugleich die Antwort auf die zwingende Frage, wozu Eigentum verpflichtet, gegeben.

Suchen wir nach dem Ursprung dieser Überzeugung, tauchen wir tief in die abendländische Sozialphilosophie ein und stoßen schließlich auf Marcus Tullius Cicero. Als Stoiker bezieht er seine Lehre auf die Annahme, dass jedes Eigentum eine Leihgabe der Gemeinschaft sei und als solche sorgsam und zum Wohle der Allgemeinheit zu pflegen ist. Interessanterweise denkt Cicero hier nicht nur an das materielle Eigentum, sondern schreibt gleichfalls von „unseren Fähigkeiten“ und „unserer Arbeit“ als Eigentum.

Derart weit gefasst ist jeder von uns Eigentümer und damit verpflichtet. Verpflichtet dazu, seine berufliche Aufgabe mit Blick für das Ganze zu erfüllen, sein Talent im Sinne der Allgemeinheit zum Einsatz zu bringen und natürlich auch sein materielles Eigentum für die Gesellschaft zu verwalten. Damit kommen wir zurück auf das, was heute mit „Eigentum verpflichtet“ gemeint ist. Es geht um die Verantwortung derjenigen, die wirtschaftlich besser gestellt sind als andere.

Und an dieser Stelle gilt es, genauer hinzusehen und zu definieren, was mit „Gebrauch zum Wohle der Allgemeinheit“ gemeint ist.

Wen verstehen wir, als Familienunternehmer, als „Allgemeinheit“? Haben wir nur die „diffuse Gesellschaft“ im Blick, zahlen Steuern und haben Artikel 14 damit erfüllt? Müssen wir nicht differenzierter vorgehen und gerade mit unseren starken persönlichen Bindungen und regionalen Bezügen bei der „Allgemeinheit“ in erster Linie an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter denken? Was ist dann deren „Wohl“, das es stets im Blick zu behalten gilt, und wie können wir dieses konkret stärken? Schließlich: Wie schaffen wir es, das vom Grundgesetz geforderte Engagement nicht als Forderung, sondern als Chance zu begreifen?

Vom 18. Kongress für Familienunternehmen erhoffe ich mir anregende Impulse, weiterführende Diskussionen und bereichernde Gespräche, die uns den Antworten auf die vielen Fragen etwas näherbringen.

 

Thomas Bruch

(geschäftsführender Gesellschafter Globus SB-Warenhaus Holding)

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